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 Netra
hat in meiner Familiengeschichte eine prägende Rolle gespielt,
es war unsere erste richtige Station nach der Vertreibung. Mein Onkel Hanns Joachim Klimke, der Bruder
meiner Mutter baute hier sein erstes Holzhaus und holte uns
aus der beengenden Wohnung in Bekum. Er betrieb erst einen Textilverkauf und
später eine Gaststätte und heiratete hier in Netra.
Meine Mutter verdiente unseren Lebensunterhalt anfangs mit Haustürverkauf von
Seifen, Waschpulver usw. der Firma Gensel Walkenried. Später betrieb sie eine
Filiale der Reinigung und Färberei Ziffling, indem sie in allen Dörfern der
Umgebung an verschiedenen Tagen in Gaststätten die Kleidungsstücke der ebenfalls
armen Leute annahm und nach erledigter Arbeit wieder ablieferte.
Die ersten Schritte hier im Ort waren z. B. mein erster Schultag in der
Volkschule.
Mir fällt ein, wie wir Kinder an Ostern bei verschiedenen Bauern Osternester
bauten, darin fanden wir am Ostersamstag einige Eier. Meine Mutter meinte es gut
mit mir und lies alle Eier ausschließlich nur für mich. So bekam ich (was zuvor
nicht möglich war) jeden Tag ein Ei. Das ganze ging 5-6 Tage gut, dann bekam ich
Nesselfieber weil der entwöhnte Körper die Eier nicht vertrug.
Zum Winteraustreiben gab es im Frühjahr die "Strohbären". Die Jugendliche
gingen in Stroh gewickelt und mit Russbeschmierten Händen durch die Strassen und jeden
den sie fangen konnten wurde geschwärzt.
Noch eine Besonderheit gab es, auf dem Schulweg nach Hause kamen wir an einer
Milchkannen-Sammelstelle eines Bauern vorbei, wenn man eine der Milchkannen zum
Bauernhof mitnahm bekam man von der Bäuerin als Belohnung ein Stück
leckeren Kuchen. Was in dieser schlechten Zeit für uns Kinder das Größte
war. Einmal kam ich später aus der Schule, da waren die größeren Kinder schon an
der Sammelstelle vorbeigekommen und haben die kleineren Milchkannen weggeholt, sodass da nur noch
eine große Kanne für mich da war. Was passierte unterwegs? Ich stolperte mit der
großen Kanne fiel hin, dabei kam mit dem linken Zeigefinger unter den Kannenrand
knallte auf das Pflaster und ich brach mir den Zeigefinger. Jetzt musste ich
jeden Tag den lädierten Finger im warmen Seifenwasser baden, dass er wieder
anwuchs. Wenn man über den Finger fährt merkt man heute noch die Stelle wo er
gebrochen war.
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