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Seit 1922 nach der Abtretung Ost-Oberschlesiens Grenzstadt. Die ovale
Altstadt besitzt einen quadratischen Ring mit Laubenhäusern sowie früh-
und spätgotischen Kirchen: St. Marien, 16. Jh. mit frühgotischen Teilen, Minoritenkirche
St. Nikolaus. Vor dem Krieg befand sich in Beuthen neben
Steinkohlen und Erzbergbau auch eine bedeutende Steinkohlen-Chemie-Industrie,
Eisen- und Holzverarbeitung, Gießerei, Stahlbau, Maschinenbau und
Zementwaren- herstellung sowie Baugewerbe. Die wirtschaftliche
Entwicklung wurde jedoch durch die Abtretung von Ost-Oberschlesien
beeinträchtigt. In der Volksabstimmung hatten 1921 von 40.000 abgegebenen
Stimmen rund 30.000 für Deutschland und 10.000 Einwohner für Polen votiert.
Beuthen, im Ostteil Oberschlesiens gelegen, darf auf eine Geschichte
zurückblicken, die bis ins Mittelalter reicht. Bereits 1123 wird der Name der
Stadt in einem Schriftstück des päpstlichen Legaten, Kardinal Aegidius,
erstmals urkundlich erwähnt. Zu dem Zeitpunkt existierten hier immerhin ein
Markt und zwei Schenken. Wahrscheinlich wurde im 11. Jh. eine Wehrburg
angelegt, in der später ein Burgvogt amtierte. Aus dieser Wehrsiedlung dürfte
anschließend Beuthen hervorgegangen sein. Hier auch entstand die erste
Gemeindekirche St. Margareth. Diese Wehranlage lässt sich bis heute noch auf
dem sog. Margarethenhügel erkennen. Mitte des 13. Jh. wurde Beuthen vom
Oppelner Piastenherzog Wladislaus nach Magdeburger Stadtrecht gegründet. Die
Gründungsurkunde trägt die Jahreszahl 1254. Lokator und erster Vogt war ein
gewisser Heinrich. Die günstige Lage an der Handelsstraße von Breslau
nach Krakau und die Silber- und Bleierzvorkommen ließen die mittelalterliche Stadt
schnell aufblühen. Bis zum 14. Jahrhundert basierte ihr Reichtum auf dem Erzbergbau.
Beuthen erlebte seinen bis ins 19. Jahrhundert anhaltenden
Niedergang. Zusammen mit dem gesamten Königreich Böhmen kommt Beuthen 1526 an
die Habsburger. 1742 wird ganz Schlesien von Friedrich dem Großen erobert und
damit gehört Beuthen ab diesem Zeitpunkt zu Preußen. Im 19. Jahrhundert erlebt
die Stadt mit ihrer Industrialisierung und der Ausbeute der Steinkohlen-,
Zink- und Bleierzvorkommen in der Umgebung einen geradezu atemberaubenden
Aufschwung. Von nun an sollen die Grubenaufzüge und -halden, aber auch die
Hüttenschlote das Stadtbild bestimmen. Die Entwicklung der Stadt wurde 1914
durch den Ausbruch des I. Weltkrieges unterbrochen. Nach dem I. Weltkrieg, im
Jahre 1918 verschärfte sich die politische Lage, polnische
Nationalbestrebungen nahmen an Stärke zu. Der Versailler Vertrag sah
Durchführung eines Plebiszits in
Oberschlesien vor. In Beuthen wurde das
Polnische Plebiszitskommissariat eingerichtet, das von Wojciech Korfanty
geleitet wurde. Während des Plebiszits gaben 29890 Wähler in Beuthen ihre
Stimme für Deutschland und 10101 für Polen ab. Die polnische Seite war mit der
Absicht, die Stadt und die Region im Deutschen Reich zu lassen, nicht
einverstanden, und das bewegte sie zur Auslösung drei Aufstände in
Oberschlesien. Letzthin blieb Beuthen doch in Deutschland. Der 1939
ausgebrochene II. Weltkrieg verursachte die Auflösung der um die Stadt
führenden Grenze. Am 27. Januar 1945 marschierten die Truppen der Roten Armee
in Beuthen ein. Ein Kapitel der Stadtgeschichte wurde abgeschlossen.
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